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Ausstellung des verfemten Künstlers Gerhart Hein

Ausstellung des verfemten Künstlers Gerhart Hein // Solinger Tagblatt // 16.09.2006

(kc) Oskar Mueller erkannte das Talent von Gerhart Hein sofort, als er ein von ihm gezeichnetes Kohleporträt sah. Der Expressionist holte den jungen Mann in seine Klasse an der Staatlichen Akademie für Künste in Breslau. Das war 1929. Da war Gerhart Hein gerade 19 Jahre alt. Drei Jahre später schloss die Akademie. Zwischen 1933 und 1935 beantragte Gerhart Hein bei der "Reichskulturkammer" seine Aufnahme, damit er als freischaffender Künstler mit seiner Frau Elisabeth leben und arbeiten gekonnt hätte. Vergeblich! Die Nationalsozialisten lehnten die Aufnahme ab. Gerhart Hein malte anschließend nur noch privat.


Jetzt zeigt das Museum Baden eine Ausstellung des schon früh verfemten Künstlers. "Die Familie ist an mich herangetreten", erklärt Museumsleiter Dr. Rolf Jessewitsch. "Gerhart Hein war hoch talentiert und passt zu unserem Schwerpunkt: verfemte Kunst." "Ich bin froh, dass wir jetzt einen Teil der Arbeiten öffentlich zugänglich machen können", betont Rolf Jessewitsch. Von den Werken aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg ist kaum noch etwas vorhanden. Lediglich das Kohleporträt, das ihm den Zugang zu Otto Muellers Klasse öffnete, hatte Gerhart Heins Frau auf der Flucht als junge Mutter unter die Matratze in den Kinderwagen ihrer Tochter gelegt. Das Porträt ist in der Ausstellung zu finden. Die dort gezeigten Aquarelle, Collagen, Zeichnungen und Ölbilder sind in den 50er und 60er Jahre entstanden und zeichnen sich durch hohe Farbintensität und eine ausgezeichnete Technik aus.